Willst du das wirklich?

Meine berufliche Tätigkeit ist mühselig geworden und freudlos noch dazu. Dabei hatte ich mich über Jahre hinweg in meinem Beruf wie ein Fisch im Wasser gefühlt. Die Arbeit ging mir leicht von der Hand, von meinem inneren Kompass geführt. Aber jetzt? Alles scheint irgendwie auf Nichterblühen gepolt zu sein. Das was ich tue ist umringt von Besserwissenden und Besserhandelnden.

Wie konnte ich dahin kommen?

Ich weiß es leider nur zu genau. Ich bin zu lange geblieben. Mein Einsatz war und ist beendet. Nach dem 5. Prinzip des Rhythmus hat alles seine Zeit. Eine Zeit zu entstehen, eine Zeit zu erblühen, eine Zeit zu vergehen – worauf eine Zeit des Neuanfangs folgt. Wie groß die jeweiligen Zeiträume sind, das erscheint mir unterschiedlich zu sein. Unumstritten gehören jedoch zum Rhythmus unseres Lebens Zeiten „to say goodbye“. Es ist ein untrügliches Gefühl, ein gesichertes „Wissen“, wie es nur unsere seelische Ebene hervorbringen kann, die uns sagt „es ist vorbei“.

In beruflicher Hinsicht liegt dieser Zeitpunkt für mich schon mehrere Jahre (!) zurück. Vielleicht kennt ihr das auch? Ihr wisst, dass etwas zu Ende ist und verbleibt doch in der Situation? Ich habe mich an der Verbundenheit zu Kolleg*innen festgehalten. Ich wollte mich dem Ende nicht stellen. Nur hat es das nicht besser gemacht. Für eine lange Zeit waren ich und alle Beteiligten bereit, sich mit einem „das wird schon wieder“ zu begnügen. Je länger wir uns jedoch, dem Rhythmus des Lebens entgegen zu stellen versuchen, desto deutlicher wird uns vor Augen geführt, dass wir das tun. Denn wir stören damit unseren Fluss des Lebens, wir blockieren uns. Wir setzen eine Ursache deren Wirkung (6. Prinzip von Ursache und Wirkung) nicht auf sich warten lässt. Die Wirkung in meinem Fall ist, dass ich in der Zeit des Vergehens stecken geblieben bin. Die wertvolle Verbundenheit zu meinen Kolleginnen ging verloren, weil das Bindende vergangen ist. Überhaupt entwertet das Anhaften an Vergangenem das Leben in der Gegenwart, Schwere macht sich breit, die eigenen Schwingungen (3. Prinzip der Schwingung) sinken nach unten und Gefühle der Sinnlosigkeit kommen hervor.

Wer möchte an diesem Punkt verbleiben? Nun, ich habe lange gebraucht um mein innerliches „ja, aber …“ zu überwinden und einen Neuanfang herbeizuführen. Zum Trost für alle; Umwege erweitern die Ortskenntnis.

Neulich saß ich für einige Stunden am Laptop und beschäftigte mich mit der Hermetik. Die Sonne schien auf meinen Schreibtisch. Ich arbeitete intensiv an einem Konzept. Irgendwann hielt ich überrascht inne. Ich hatte Freude daran, bemerkte ich. Ein Lachen im Herzen.

Eine Hermetiker*in fragte mich beim nächsten Treffen mit übertriebener Dramatik in der Stimme: „Inge, willst du das wirklich? Willst du wirklich Freude an deiner Arbeit haben? Bist du dir da gaaanz sicher?“ Ich prustete los…

Der erste Schritt hin zu einem Neuanfang ist für mich nicht, den perfekten Plan für die Zukunft geschmiedet zu haben, sondern die Entscheidung das Alte loszulassen. Der zweite Schritt ist die Frage danach, was ich wirklich möchte. Wie will ich leben? Was macht mich glücklich? In diesen Momenten nimmt der wunderbare Rhythmus des Lebens seinen Lauf…


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Kommentare

3 Antworten zu „Willst du das wirklich?“

  1. Avatar von Babette Bielke

    So ein schöner Beitrag, vielen Dank Inge.

    Babette

  2. Avatar von Susanne Hüsken
    Susanne Hüsken

    Liebe Inge,
    das ist eine ganz wunderbare Selbstreflektion!
    Wer kennt sie nicht, die Situationen, von denen man längst Abschied hätte nehmen sollen und dennoch darin verbleibt. Gerade zu darin erstarrt. Egal, ob im privaten Leben oder im Beruf.
    Ich wünsche dir alles Glück der Erde, damit du immer Freude an dem hast, was du tust.

  3. Avatar von Silke Sapak
    Silke Sapak

    Liebe Inge,

    so wundervoll herzlich und doch mit einer Portion Humor geschrieben. Ich freue mich auf weitere Artikel von dir, denn das ist ja erst der Anfang.

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