Über die Hermetik

Die Hermetik ist eine altägyptische Weisheitslehre. Sie geht zurück auf ihren Namensträger Hermes Trismegistos, was soviel bedeutet wie „der dreimal Große“ oder „der Meister aller Meister“. Der Überlieferung nach erhielt der griechische Gott Hermes den Titel „Hermes Trismegistos“ durch die Verschmelzung mit dem ägyptischen Gott Toth.

Viele von uns kennen die Bezeichnung „hermetisch abgeriegelt“ und verbinden damit, dass etwas sehr sicher unter Verschluss gehalten wird. Diese Bezeichnung leitet sich aus der Hermetik ab. Die Hermetik war in alter Zeit keinesfalls für jedermann zugänglich. Sie wurde nur mündlich an Auserwählte weitergegeben, um das geheime Wissen zu schützen.

Die Hermetik bezieht sich auf die drei großen Ebenen Körper, Geist und Seele und beschreibt in sieben Prinzipien eine allgemeingültige Ordnung, die universell anwendbar ist und alles Sein zu erklären vermag. Sie ist zeitgleich wie eine Art Gebrauchsanweisung zu verstehen, die es uns ermöglicht, unser Leben nach unseren Wünschen zu gestalten bzw. zum Positiven zu wenden.

Die sieben Prinzipien lauten:

  1. Das Prinzip der Geistigkeit
  2. Das Prinzip der Entsprechung/Resonanz
  3. Das Prinzip der Schwingung
  4. Das Prinzip der Polarität
  5. Das Prinzip des Rhythmus
  6. Das Prinzip von Ursache und Wirkung
  7. Das Prinzip des Geschlechts (das Schöpfungsprinzip)

1. das Prinzip der Geistigkeit

Wortlaut:

„Das All ist Geist, das Universum ist geistig.“ aus dem Kybalion*

Nach dem 1. Prinzip der Geistigkeit ist alles, was in unserem Universum existiert geistig. Es ist Energie. Selbst Materie besteht zu 99,99999% aus Energie. Energie lässt sich nicht abgrenzen. Alles ist aus der gleichen Substanz und bildet ein Ganzes. Alles ist miteinander verbunden und beeinflusst sich gegenseitig. Gedanken sind ebenso geistig. Wir manifestieren alles in unserem Leben durch unsere Gedanken. Letztendlich ist auch Materie immer sichtbar gewordener Gedanke. Willst du dein Leben wandeln, musst du zuerst deine Gedanken ändern.

Den Prinzipien wohnt eine Ordnung inne. Das erste Prinzip beschreibt das Fundament der hermetischen Lehre. Alle anderen Prinzipien dienen der Verdeutlichung des ersten.

2. das Prinzip der Entsprechung/Resonanz

Wortlaut:

„Wie oben, so unten, wie unten so oben.“ aus dem Kybalion

Diese Aussage ist noch zu ergänzen um weitere, nämlich; „wie innen so außen, wie außen so innen. Wie im Großen, so im Kleinen, wie im Kleinen so im Großen“.

In unserem Alltag ist insbesondere die Aussage wie innen so außen, wie außen so innen maßgeblich.

Alles was existiert ist in das 2. Prinzip eingebunden und findet sich in Analogien wieder. Gleiches zieht Gleiches an. Was wir im außen erleben entspricht unserem Inneren, also dem, was wir denken, unseren Einstellungen und Gefühlen. Das heißt im Umkehrschluss: wollen wir im Außen etwas anderes erleben, müssen wir in uns selbst anfangen.

3. das Prinzip der Schwingung

Wortlaut:

„Nichts ist in Ruhe, alles bewegt sich, alles ist in Schwingung.“ aus dem Kybalion

Das Prinzip besagt, dass sich alles in schwingender, kreisender Bewegung befindet, nichts ruht. Dies gilt für unser Planetensystem bis zum kleinsten Teilchen; Ionen und Elektronen, drehen sich in rasender Bewegung umeinander.

Alles ist von Schwingung durchdrungen, miteinander verbunden und kann somit in Resonanz zueinander treten.

Wir senden entsprechend unserer Gedanken und Empfindungen eine Schwingung aus. Schwingungen sind Informationsträger. Wir reagieren nicht auf jegliche Schwingungen, die an uns gesendet werden und auch im Außen reagiert nicht alles auf von uns ausgesendeten Schwingungen. Vielmehr korrespondieren nur die Schwingungen miteinander, die auf der gleichen Frequenz gesendet und empfangen werden. Wir können nur das empfangen, worauf wir ausgerichtet sind. Das heißt, unsere Ausrichtung, unsere Gedanken, Gefühle, Überzeugungen ergeben die Frequenz, die Wellenlänge, auf der wir senden und empfangen.

Sobald du in der Lage bist, mit Schwingungen bewusst umzugehen, sie gewollt zu senden, zu empfangen und zu ändern, bist du ihnen nicht mehr schutzlos ausgeliefert.

4. Prinzip der Polarität

Wortlaut:

„Alles ist zweifach, alles hat sein Paar von Gegensätzlichkeiten, gleich und ungleich ist dasselbe; Gegensätze sind identisch in der Natur, nur verschieden im Grad; Extreme berühren sich; alle Wahrheiten sind nur halbe Wahrheiten; alle Widersprüche können in Einklang gebracht werden.“ aus dem Kybalion

In unserem Leben begegnen wir fortlaufend Gegensätzen, zu jedem Pol gibt es einen Gegenpol, so z.B. groß und klein, heiß und kalt. Diese Gegensätze passen immer zu einem Thema, so wie groß und klein, dem Thema Größe zugeordnet werden können.

Die Polaritäten sind verschieden im Grad. Nehmen wir die beiden Extreme himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt. Zwischen diesen beiden Zuständen gibt es viele Abstufungen, fröhlich sein z.B. oder Betroffenheit. Auf welchem Pol wir uns bewegen, ist unsere Entscheidung. Wir können uns von einem Pol zum anderen bewegen, z.B. von der Angst zum Vertrauen.

Alle Wahrheiten sind nur halbe Wahrheiten. Wie oft sind wir schon in Konflikte geraten oder waren bei einem Konflikt zugegen? Wie oft haben wir dann gedacht, dass die Meinung des einen aus seiner Sicht ebenso nachvollziehbar ist, so wie es die Meinung des anderen aus dessen Sicht. Es ist ein sowohl als auch.

5. das Prinzip des Rhythmus

Wortlaut:

„Alles fließt aus und ein, alles hat seine Gezeiten, alle Dinge steigen und fallen, das Schwingen des Pendels zeigt sich in allem, das Maß des Schwunges nach rechts ist das Maß des Schwunges nach links, Rhythmus kompensiert.“ aus dem Kybalion

Alles schwingt, alles fließt. Alles Leben unterliegt einem immerwährenden Rhythmus. Alles entsteht, blüht auf und vergeht, um erneut zu entstehen. Alles hat seine Zeit. Das 5. Prinzip können wir daher als ein Prinzip der Wandlung verstehen. Nichts bleibt wie es ist. Es ist daher sinnvoll, mit dem Fluss des Lebens zu fließen und mit den vom Leben vorgegebenen Änderungen, z.B. das Alter, mitzugehen.

6. das Prinzip von Ursache und Wirkung

Wortlaut:

„Jede Ursache hat ihre Wirkung; jede Wirkung ihre Ursache; alles geschieht gesetzmäßig, Zufall ist nur der Name für ein unbekanntes Gesetz. Es gibt viele Ebenen der Ursächlichkeit, aber nichts entgeht dem Gesetz.“ aus dem Kybalion

Wir setzen Ursachen durch unser Denken, unsere Worte, unser Handeln. Jeder Ursache folgt eine Wirkung. Hierbei handelt es sich um eine Gesetzmäßigkeit, der nichts entgeht.

Dieser Mechanismus ist also verlässlich. So verlässlich, dass das Prinzip auch dann wirkt, wenn wir unbewusst oder ungewollte Ursachen setzen. Diese Verlässlichkeit ist auch der Grund dafür, dass es keine Zufälle gibt. Zufälle sind Wirkungen einer unbewussten Ursachensetzung. Sind wir daher bereit, die Verantwortung für unser Handeln zu übernehmen, können wir viel bewusster Ursachen setzen und das Leben eigenverantwortlich gestalten.

7. das Prinzip des Geschlechts (das Schöpfungsprinzip)

Wortlaut:

„Geschlecht ist in allem, alles hat männliche und weibliche Prinzipien, Geschlecht offenbart sich auf allen Ebenen.“ aus dem Kybalion

Das Prinzip des Geschlechtes kann auch als das Schöpfungsprinzip beschrieben werden. Immer wenn weibliche und männliche Aspekte zusammenwirken, entsteht Neues. Nicht gemeint sind hierbei die typischen Eigenschaften von Mann und Frau. Auf der geistigen Ebene wirken männliche und weibliche Aspekte zugleich. Wir können frei wählen, welche Aspekte wir nutzen. Bestenfalls nutzen wir die beiden Aspekte ganz bewusst und gegenwärtig.

Die männlichen Aspekte sind das Richtungsweisende, der Wille, die Idee, das Aktive, das Gebende. Die weiblichen Aspekte sind das Empfangende, Annehmende, das Ausführende, das Passive.

Um die beiden Aspekte bestmöglich zu nutzen, ist eine gute Balance in uns wichtig. Haben wir eine Idee (männlicher Aspekt), ist es sehr hilfreich, sich von den Impulsen unserer Mitmenschen (weiblicher Aspekt) befruchten zu lassen. Unser Geist bietet durch die Anwendung des männlichen und weiblichen Aspektes Raum für die Entstehung von etwas Neuem. Wir können durch den Gebrauch unseres Willens entscheiden, was wir entstehen lassen wollen. Andere Menschen können uns hierbei positiv und negativ beeinflussen.


*Kybalion: Gilt als erstmalige direkte und schriftliche Einführung in die Grundsätze der Hermetik, erschienen 1908 in englischer Sprache.